My practice explores the fragile connections between memory, the body, identity, and the spaces we inhabit. As an artist and a professional dancer living between places, I am interested in the body as a site of memory – a place where experiences, movements, languages, and histories are carried and transformed.
My practice moves between visual language, writing, and the body. Poetry and personal narratives become tools for exploring memory, displacement, intimacy, and the traces that experiences leave within us.
Through images, materials, movement, and personal narratives, I examine how belonging is created, lost, and reconstructed. My work explores the traces left by encounters, objects, architecture, and everyday environments, revealing how spaces hold fragments of individual and collective histories.
Drawing from my experience of displacement and the dialogue between physical and emotional landscapes, I reflect on the relationship between what we remember, what we embody, and what remains with us after we leave a place.
Through my practice, I seek to create spaces of encounter where vulnerability, presence, and memory can unfold.
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„Quiet Distances“„Quiet Distances“ is a photographic series exploring everyday spaces through moments of separation, reflection, and layered vision. Grilles, glass, windows, overhead wires, and architectural lines become subtle thresholds between the viewer and the world.
Rather than documenting specific places, the photographs invite a slower way of looking – one shaped by what lies between us and what we see.
Whether in urban settings or quieter landscapes, distance is approached not only as a physical condition but also as a mode of perception. Framing, interruption, and layers transform ordinary scenes into spaces of contemplation, shifting attention from the subject itself to the experience of seeing.
A curated selection of eight works from the series is presented here.








“The Alphabet of Memory”
Seven selected works from the collection “The Alphabet of Memory”, where poetry and prose explore the landscape of memory – preserving the people, places, and moments that continue to remain with us.
This poetry project presents my works in German, translated from the original Russian texts. English versions of the poems will be added soon.
„Vom richtigen Winkel“
Geliebte Gegend.
Ein kleines Haus mit einem Zugang zum Garten.
Eine Schnecke an der Küchentür.
Glocken irgendwo.
Bienen im Licht.
Niemand spricht über das, was hier fehlt.
Der Blick auf den Wald, die Hügel und den Himmel,
weich wie eine wattige Decke, die sich über alles legt.
Ich sah den gelben Tennisball auf dem Rasen
und dachte, er gehört niemandem.
Die Zubereitung des Frühstücks
und trotzdem dieses Gefühl,
dass etwas fehlt.
Wir stiegen zum Fluss hinab.
Ich wollte wissen,
was zwischen Glück und Vergnügen liegt
und ob sich dieser Abstand überhaupt messen lässt.
Du hast nicht sofort geantwortet.
Vergnügen kommt von außen und ist an Dinge gebunden,
die kommen und gehen.
Glück ist leiser.
Es hat kein festes Gesicht,
eher eine Art Gleichgewicht,
das bleibt, auch wenn sich alles bewegt.
Später hast du mir beigebracht,
Steine ins Wasser zu werfen.
Nicht die Kraft entscheidet,
sondern der Stein selbst.
Der Stein findet den Winkel
oder verliert ihn.
Und manchmal
verschwindet er einfach.
„Alphabet der Erinnerung„
Abendspaziergänge.
Erdbeeren, in kleinen Bündeln in der Hand.
Der Rand des Himmels.
Gänse schreien,
Schlangen in den Himmel geworfen.
Abendessen auf dem Balkon.
Der Walnussbaum.
Psalmen des Morgens.
Ein Weinberg im Hof.
Ein Hund ohne Schwanz
und eine trächtige Katze.
Grünes Tor.
Gabeln mit elfenbeinfarbenen Griffen.
Omas Wein.
Freies Atmen.
Das Dach –
und kleine Kränkungen,
die dort oben vergessen wurden.
Äpfel in einen Leinensack sammeln.
Hohes Gras
und das graue Auto des Großvaters,
das auf uns wartet.
Ich trage so viel in mir,
so viel Schönheit.
Doch ich berühre sie immer seltener – warum nur?
Ich bewahre sie
und fürchte, eines Tages alles zu vergessen.
Und noch:
der Bahnhof.
Waffeleis, das sofort zu verschwinden beginnt.
Kakao in einer Plastikflasche.
Feld
und der Duft von Feuer.
Pferdemähne im Wind.
Das Zirpen der Zikaden.
Und natürlich –
ich bin verliebt.
Jeden Sommer.
Immer anders.
Jetzt seltener.
Und ohne Erinnerung.
„Alles, was meine Hände berührten„
Mein Kinderblick tastet sich in die Dunkelheit eines Rohres.
Das Treppengeländer – blaue Farbe, die sich löst und abblättert.
Im Inneren: Waben, zwei Bienen.
Ich habe ihr Versteck gefunden.
Später sitzen wir im Haus.
Mit Oma und Opa.
Du lebst noch in diesem Sommer
und in den vielen Sommern, die folgten.
Wir am Küchentisch.
Es riecht nach frischem Brot und Mohnbrötchen.
Noch warm ruhen sie unter einem Frotteehandtuch.
Fliegen am Klebestreifen im Fensterzug,
wiegen sich im Luftzug.
Ein Platzregen hat eingesetzt.
Wir bleiben sitzen, zu träge, um aufzustehen und das Fenster zu schließen.
Opa ohne T-Shirt.
Oma in ihrer geblümten Schürze, zwischen Herd und Tisch in ständiger Bewegung.
Ich drehe mich zum Fenster.
Die Hand auf der Kante eines hölzernen Stuhls,
das Kinn an der sonnenwarmen Schulter.
Das lange Haar geflochten.
Oma stellt unablässig Neues auf den Tisch.
Die Brötchen leuchten im Abendlicht.
Ihr Geheimnis war: Sie bestrich sie kurz vor dem Backen mit Ei.
Ich denke an die Bienen.
Opa und sein zahmes Huhn.
Es sitzt auf seinem Arm wie ein Haustier, das nie eines war.
Die Nachbarn kommen,
zweifeln, erklären,
dass Hühner sich so nicht verhalten.
„Sie gehört zu uns“,
sagt er ruhig und streicht ihr lächelnd über das Gefieder.
Am Nachmittag im Garten liegen.
Die Arme geöffnet, das Gesicht zur Erde.
Der Aprikosenbaum legt seinen Schatten über mich
wie eine Decke aus Licht.
Ich streife eilig die viel zu großen Hausschuhe meines Opas über
und bringe ihm eine heiße Pirogge hinaus.
Später ruft er mich noch einmal zu sich.
Er bittet mich, Oma auszurichten, ihre Piroggen mit Apfel seien „gar nichts wert“.
„Opa, sie sind doch noch nicht fertig.
Das war die mit Kohl.“
Ohne Einladung im Stall bei den Kaninchen.
Zusammengekauert im Halbdunkel,
ihre Augen glimmen.
Ich streiche über ihre langen Ohren,
lege eines in meine Hand, halte es behutsam.
Zwei Ohren –
wie zwei Kirschblätter.
Eine Perle
in der Mulde meiner Hände.
Neben mir meine Cousine.
Sie raucht heimlich und versteckt sich vor den Erwachsenen.
Die armen Kaninchen-
was sie an diesem Tag alles ertragen mussten.
Meine Hand an der Nase eines Kalbes.
Es nimmt sie fast ganz auf, beginnt zu saugen.
Die raue Zunge.
Ich lächle.
Ziehe die Hand zurück – feucht, schwer.
Spreize die Finger, puste hindurch,
bis eine Blase entsteht.
Blüten auf die Nägel gelegt wie Schmuck.
Im Maisfeld verborgen,
kauere ich zwischen den Blättern
und lasse meinen Finger einer Ameise folgen, die unbeirrt höher steigt.
Alles, was ich berührte,
bleibt zurück
wie ein feines Spinnennetz aus Spuren
in der Ecke eines Hauses,
das längst verlassen ist.
Manchmal öffnet sich im Traum
die dunkle Öffnung dieses Rohres.
Ich sehe hinein.
Dann wache ich auf
und weiß nicht mehr,
was ich dort gesehen habe.
„Zufluchtsort„
Eine Kirche mitten in einem Garten.
Apfelblüte,
schutzlose, nackte Zweige und
der Ruf einer Krähe,
erstarrt im warm-flimmernden Licht
der Glasfenster.
Mein Körper ist durchsichtig, unschuldig
und offen für jeden Klang.
Seit ich dir begegnet bin,
nach so vielen Jahren des Schweigens,
spreche ich wieder mit Gott.
Und ich bitte nicht um Nähe,
sondern um Abstand,
um einen Zufluchtsort.
Ich schreibe, damit zwischen den Zeilen
ein Ort bleibt,
den du nicht betrittst.
„Heimkehr ohne Ende„
Was mir die Zeit lässt, ist ein stilles Geschenk.
Ich bin dankbar für das, was mir geblieben ist.
Für die Schlichtheit meiner Tage,
ihre Tiefe,
ihre Sanftheit.
Wie schön es ist, nachts in einer Küche zu sitzen,
die mich schon so lange kennt.
Zu Hause zu sein
und zugleich nur zu Besuch im eigenen Haus.
Fortzugehen,
ohne wirklich fort zu sein.
Und schließlich wieder heimzukehren.
Drei Straßen zu Fuß.
Die Stadt im Vorübergehen.
Ihr Tempo. Ihre müden, suchenden Gesichter.
Vertraute Bilder verlieren ihre Konturen.
Ich bin wieder angekommen in meiner Heimatstadt.
Und lausche beinahe hungrig den Gesprächen fremder Menschen,
in einer Sprache, die meinem Herzen nah ist.
Die Sehnsucht nach dem Leben,
das ich zurückgelassen habe,
wie eine offene Tür im Wind.
Weil das Bleiben zu eng wurde
für etwas Namenloses.
Und ich bin nicht mehr ganz die, die ging,
und noch nicht eine andere.
Nur jemand dazwischen,
der weitergeht.
„Gülverdiyeva Saida Mamedovna„
Der Name Saida (arab. سعيدة, sa’ida) stammt aus dem Arabischen und bedeutet „die Glückliche“, „die Begünstigte“, „die, der das Leben wohlgesinnt ist“. Diesem Namen schreibt man Optimismus und den Wunsch nach Harmonie zu.
Du hattest einen schwierigen Namen. Einen, an dem die Zunge stolperte.
Für uns warst du einfach Saida.
Du färbtest dir die Haare auberginenfarben. Trugst riesige Vintage-Sakkos, drei Nummern zu groß.
Du sahst aus, als wärst du aus einer anderen Zeit gefallen.
Und diese Augen.
Deine Augen waren gewaltig. Zwei Tennisbälle in deinem Gesicht.
Manchmal wollte ich die Hand ausstrecken,
als müsste ich sie auffangen,
bevor sie aus ihren Höhlen fielen.
Du unterrichtetest Literatur und Russisch.
In einem Land, durch das stets ein leichter Wind der Fremdenfeindlichkeit zog, flüsterten sie hinter deinem Rücken:
„Wie kann ausgerechnet Gülverdiyeva Saida Mamedovna Russisch unterrichten?“
Du warst die Beste.
Eine von uns –
und doch größer als alle anderen.
Wir hatten Angst vor dir.
Du warst seltsam.
Voller Feuer.
Aufbrausend.
Und ich verehrte dich.
In meiner Welt gehörtest du zu den Unsterblichen.
Du hast mir den Weg nach innen gezeigt. Durch dich habe ich Namen entdeckt, Bücher, ganze Welten,
die bis heute in mir weiterleben.
Du hast meinem Blick eine Richtung gegeben.
Ich erinnere mich an einen Tag zwischen Himmel und Erde.
Ich küsste einen Jungen hinter dem Haus,
versteckte mich vor den Fenstern meiner Eltern.
Und am Abend traf mich der Schrecken.
Ich hatte die Geschichten nicht gelesen, die du uns aufgegeben hattest.
Ein Tennisball mitten auf die Stirn.
Im Haus schliefen längst alle. Ich schlich mich ins Bad, ließ Wasser einlaufen und las die halbe Nacht. Wenn das Wasser kalt wurde, ließ ich es ab und ließ neues Wasser ein.
Als der Morgen kam, war ich bewaffnet.
Ich war bereit für dich.
Ich saß immer dicht bei dir.
Und sah zu, wie deine grauen Ansätze wuchsen.
Manchmal fragte ich mich,
wie viele Millimeter es inzwischen waren.
Ich stellte mir vor, mit einem Lineal zu dir zu gehen und sie nachzumessen.
Und manchmal dachte ich einfach nur:
Auf welchem fruchtbaren Boden wächst das heran?
Dann läutete die letzte Schulglocke.
Die Schule spuckte uns ins Erwachsenenleben.
Manche gingen fort. Für immer.
Später erfuhr ich, dass sie dich entlassen hatten.
Dass du Schulden hattest.
Dass dein Sohn nicht zurechtkam.
Dass dein Leben an den Nähten aufriss.
Du ludst uns auf Tee und Éclairs ein.
Du schicktest uns Leselisten.
Du batest uns, dich anzurufen.
Und ich rief nicht an.
Küsste wieder jemanden.
Diesmal ohne mich zu verstecken.
In irgendeiner Bar einer fremden Stadt.
Eines Tages schickte mir jemand ein Video.
Du standest auf der Brüstung deines Hauses.
Dritter Stock.
Vielleicht vierter.
Dasselbe übergroße Sakko.
Doch die Bühne war eine andere.
Menschen standen unten mit ihren Handys.
Sie filmten.
Du konntest dich nicht entscheiden.
Ich sah dich an wie früher.
Und wieder wollte ich die Hand ausstrecken.
Diesmal nicht zu deinem Gesicht.
Sondern zu deinen Füßen.
Und das Seltsame ist nicht, dass niemand geholfen hat.
Das Seltsame ist, dass alles, was du uns beigebracht hattest,
danebenstand.
Während du den Schritt ins Leere machtest.
„Meine kleine Kirche“
Wie lange ich schon schreibe.
Das hätte gereicht
für ein Fresko,
um die Wände
einer kleinen Kirche
am Meer zu bedecken.
Das hätte gereicht,
um endlich
mich selbst
zu verstehen.
Das hätte gereicht.
Aber es reicht mir nicht.
Und ich schreibe, weil ich
anders
nicht atme.
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